Der Vitakt-Blog

Gedanken, Ideen, Anregungen

Was passiert bei unserer täglichen Arbeit? Was gibt es Neues bei Vitakt? - Mit unserem Vitakt-Blog möchten wir Euch teilhaben lassen an Alltäglichem und Besonderem, an Schönem und Kuriosem, an Ernstem und Fröhlichem, an allem, was im Alltag kaum Zeit findet und dennoch berichtenswert ist. Habt auch Ihr Wünsche und Anregungen für unseren Blog? Schickt uns gerne eine E-Mail. Wir freuen uns! :)

Ein Positiv-Beispiel für den Einsatz von Licht und Farbe in einem Aufenthaltsraum,  ©RidiGroup.

Der Vitakt-Blog | 11.05.2020

SEHEN IM ALTER

WIE MAN DURCH LICHT UND FARBE DAS LEBEN VERBESSERN KANN

In der neuen Auflage unseres Vitakt-Magazins* durften wir einen ganz besonderen Bericht veröffentlichen, der sich mit dem Thema "Sehen im Alter" auseinandersetzt und aufzeigt, wie durch den gezielten Einsatz von Licht und Farbe in Wohn- und Betreuungseinrichtungen das Wohlbefinden der Bewohner gesteigert werden kann:

Die steigende Lebenserwartung der Gesellschaft ist eine große Bereicherung, stellt aber auch eine Herausforderung für die Versorgungsstrukturen von Pflegeeinrichtungen dar.

Im Alter verschlechtert sich oft nicht nur die Beweglichkeit, sondern auch die Sinneswahrnehmung der Menschen. Für Viele stellt dabei die Verringerung des Sehvermögens die größte Einschränkung dar. Unsere Linsen werden trübe, die Sehschärfe nimmt ab und die Blendempfindlichkeit zu. Dadurch wird die räumliche Wahrnehmung stark eingeschränkt. Konturen- und Kontraste können oft nur schlecht wahrgenommen, Distanzen schwer eingeschätzt werden. Dies führt bei Senioren im Allgemeinen und bei Demenzerkrankten im Besonderen zu Desorientierung und zunehmender Unsicherheit. So nimmt die Möglichkeit, sich selbstständig fortzubewegen, drastisch ab. Auch treten häufig Schlafstörungen auf.

Mit zunehmendem Alter nimmt der Bedarf an höherer Lichthelligkeit weiter zu. So benötigt z.B. ein 65-jähriger Mensch bis zu 4-mal mehr Lichthelligkeit als ein 25-jähriger Mensch für die gleiche Sehaufgabe. Deshalb ist eine gleichmäßige und blendfreie Ausleuchtung der Räume von großer Bedeutung. Hier kann der gezielte Einsatz von Licht- und Farbgestaltung helfen: Er sorgt für eine bessere Orientierung, größere Sicherheit, schafft Geborgenheit und Zufriedenheit. Studien1 belegten, dass durch den gezielten Einsatz von Licht und Farben in Wohn- und Betreuungseinrichtungen nicht nur das Wohlbefinden und die Motivation der Bewohner gesteigert wurden, sondern auch der Verbrauch von Medikamenten signifikant zurückging.

Deshalb sollte bei der Neuplanung altersgerechter, barrierefreier Bauten heutzutage immer auch ein Planungsteam von Licht- und Farbdesigner* innen fest eingebunden sein. Wie kann dieses nun angewendet werden? Soll es ein Holzboden sein, oder doch lieber Fliesen? Welche Leuchten und Farbtöne sollten speziell im Flurbereich eingesetzt werden? - Jeder architektonische Raum ist anders, jedes Material und jeder Farbton ändern sich entsprechend der Raumstruktur und der Lichtverhältnisse. So sollten in einer menschenbezogenen Farbgestaltung grundsätzlich die Farbkontraste und die visuelle Ergonomie berücksichtigt werden.

Die visuelle Ergonomie, also die Physiologie des Sehens, hat die Zielsetzung Augen und Organismus des Menschen zu schonen. Aus der Natur kennen wir zum Beispiel den Hell- Dunkel- Kontrast: Ein dunkler Erdboden (Boden), eine mittlere Helligkeit im Augenbereich (Wände) und ein heller Himmel (Decke). Übertragen wir dieses Sehen aus der Natur auch in die Innenräume, schafft dieses ein Wohlbefinden und eine Sicherheit für alle.

Durch die altersbedingte Eintrübung der Linse werden die Farben Violett, Blau und Grün verblasst wahrgenommen. Daher sollten für die Erkennung von Wänden, Decke und Boden die Farben kräftiger und kontrastreicher gewählt werden. Auch z.B. die farbliche Absetzung der Zimmertüren und besondere farbliche Kennzeichnung des Fahrstuhls führen zur besseren Orientierung.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Tag-Nacht-Rhythmus. Für einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus zur Minimierung von Schlafstörungen ist die Steuerung der Farbtemperatur (bläulich weißes Licht bis gelblich weißes Licht) und die Helligkeit von großer Bedeutung. Der Tag-Nacht-Rhythmus wird durch die Hormone Serotonin und Melatonin maßgeblich beeinflusst. Unser Körper bildet Serotonin bei bläulichen weißen Licht am Mittag, Melatonin kann nur bei gedämpftem gelblichen Licht bzw. bei Dunkelheit aus Serotonin gebildet werden. Durch die Steuerung von Kunstlicht kann der natürliche Tagesverlauf der Sonne nachempfunden werden, so dass Schlafstörungen gezielt vermindert werden können. Körper und Geist können sich erholen.

Ein professionelles Licht- und Farbkonzept, welches auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Senioren, Personal, und Angehörigen eingeht, ist dabei von zentraler Bedeutung.

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Z.B. Studie "Farbe und Gesundheit" HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal 2017/2018.

Zu unseren Autorinnen:

Bettina Duwentäster ist staatlich geprüfte Gestalterin, Diplom Farbdesignerin IACC und Inhaberin von colourtube - Szenografie und Raumgestaltung in Hamburg. Sie erstellt seit vielen Jahren Raumkonzepte im Wohn- und Objektbereich, gibt Workshops und hält Vorträge. www.colourtube.de 

Andrea Meinsinger ist Inhaberin von LOP Lichtplaungsbüro und gestaltet seit über 25 Jahren Lebensräume mit Licht, entwickelt Lichtkonzepte und erstellt Lichtplanungen im Gesundheitswesen, im Objektbereich sowie für private und gewerbliche Kunden. www.lop-kiel.de

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