Der Vitakt-Blog

Gedanken, Ideen, Anregungen

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Mobile Notrufsysteme

Aktueller Stand und Ausblick auf die weitere Entwicklung

23.10.2019

Ein mobiles Notrufsystem ist ein Notrufsystem, mit dem außerhalb des Hauses, z.B. in der Stadt oder in der freien Natur, ein Notruf abgesetzt werden kann. Im Prinzip kann ein mobiles Notrufsystem von jedem genutzt werden, der sich außerhalb des Hauses absichern möchte. Es gibt aber vor allem drei Gruppen, von denen bzw. für die es besonders häufig nachgefragt wird.

Die erste Gruppe stellen die Freizeitsportler, die draußen unterwegs sind und sich für den Fall absichern möchten, dass sie beim Sport schwer stürzen oder sich ernsthaft verletzen.

Die zweite Gruppe sind Menschen, die aufgrund gesundheitlicher und/oder körperlicher Einschränkungen die Sorge haben, dass sie unterwegs in eine Situation geraten könnten, in der sie Hilfe benötigen. Ihnen ist es dann wichtig, selbst Hilfe anzufordern und dafür nicht auf Dritte angewiesen zu sein. Ihnen gibt ein mobiles Notrufsystem Unabhängigkeit und stärkt damit ihre Selbständigkeit.

Die dritte Gruppe sind die Menschen mit Demenz. Anfragen für sie kommen in den meisten Fällen von Angehörigen. Da Menschen mit Demenz in der Regel nicht selbst einen Notruf zielgerichtet auslösen können, geht es bei ihnen vor allem darum, dass ihr Standort geortet werden kann.

Aufgrund der Anfragen von interessierten Kunden nach mobilen Notrufsystemen hatte Vitakt zwei mobile Notrufsysteme getestet. Die Ergebnisse waren nicht zufriedenstellend. So wurde von den Herstellern eine Genauigkeit der Ortung auf 5 m angegeben, dieser Wert konnte bei den Ortungen nicht immer erreicht werden. Zum Teil wich der festgestellte Standort um 100 m von dem tatsächlichen Standort des Trägers des Systems ab. Ein weiterer Punkt betraf die Trageweise des mobilen Notrufsystems. Bei einem getesteten System konnte das Armband von dem Träger nicht selbst abgelegt werden; es war nur mit einem Spezialschlüssel zu öffnen. Dadurch sollte verhindert werden, dass das Gerät durch den Träger abgelegt oder versehentlich abgestreift wird. Gegen diese Trageweise hatten wir ethische und juristische Bedenken. Das andere System wurde an einem Band um den Hals oder als Clip am Gürtel getragen. Bei diesem bestand die Gefahr, dass es vom Träger (Menschen mit Demenz) abgelegt wird.

Entscheidender war, dass sich im Test ergeben hatte, dass die Stellung der Notrufverfolgungsliste große Probleme aufwirft: Wen schickt man zum Kunden, wenn dieser mit seinem mobilen Notrufsystem einen Notruf ausgelöst hat? Zu diesem Punkt haben wir auch einige Vitakt-Partner befragt. Wir wollten wissen, ob sie grundsätzlich bereit wären, sich in die Notrufverfolgungsliste von Kunden mit einem mobilen Notrufsystem setzen zu lassen. Die Mehrzahl der befragten Vitakt-Partner hat das abgelehnt. Auch sie stellten sich die Frage, wie sie Kunden mit einem mobilen Notrufsystem Hilfe schicken könnten. Und das rund um die Uhr! Sie antworteten, dass sie aufgrund der angespannten personellen Lage nicht über die Ressourcen verfügen würden, um diese zusätzliche Aufgabe zu übernehmen.

Wir haben uns aus diesen Gründen gegen die Einführung eines mobilen Notrufsystems entschieden. Bestätigt sehen wir uns nachträglich durch die Information, dass andere Hausnotrufunternehmen, die sich für die Einführung von mobilen Notrufsystemen entschieden hatten, diese wieder aus ihrem Programm nehmen. Als Grund wurde uns genannt, dass es bei Hilfeleistungen nach mobilen Notrufen immer wieder zu Problemen gekommen sei.

Grundsätzlich erwarten wir, dass die derzeitigen mobilen Notrufsysteme nur eine Übergangslösung für wenige Jahre sein werden. Bereits jetzt ist erkennbar, dass der mobile Notruf in das Gerät integriert wird, das heutzutage sehr viele Menschen ständig bei sich tragen: das Handy. Notruf-Apps sind aktuell bereits verfügbar. Bedient werden sie in der Regel durch Berühren des Displays, auf dem ein (roter) Knopf zu sehen ist. Bei aktivierter App kann dieser Knopf auch dann betätigt werden, wenn das Handy im Stand-by-Betrieb ist. Die Notruf-Apps setzen allerdings voraus, dass der Nutzer im Falle eines Hilfebedarfs noch an das Handy gelangen kann. Um dieses Problem zu lösen, wird bereits daran gearbeitet, einen Notruf auch durch Sprachsteuerung auszulösen.
Ein weiterer Nachteil eines Handys ist, dass man es innerhalb des Hauses nicht immer am Körper trägt und viele Modelle nicht wasserdicht sind. Den Notrufsender, der zum Hausnotrufsystem gehört, kann man dagegen bequem an einem Band um den Hals oder als Armbandsender bei sich tragen. Zudem ist der Sender wasserdicht und stoßfest. Außerdem ist das Hausnotrufsystem ein anerkanntes Pflegehilfsmittel, das nach Kostenübernahme durch die Pflegekasse bei Vitakt zuzahlungsfrei zu bekommen ist. Das gilt aber nicht für Notruf-Apps. Aus diesen Gründen gehen wir nicht davon aus, dass das Handy mit Notruf-App das Hausnotrufsystem ersetzen wird bzw. kann. Wahrscheinlich wird es mittelfristig beide Systeme parallel geben.

Aber auch mit den Notruf-Apps ist noch nicht das Ende der Entwicklung erreicht. Es gibt seit kurzem eine Software, die alle mobilen Notrufsysteme und -Apps überflüssig machen dürfte: EmergencyEye. Diese Software erlaubt einer Rettungsleitstelle den Fernzugriff auf Funktionen des Handys, ohne dass eine Vorinstallation auf dem Handy des Anrufenden notwendig ist! Es genügt, die 112 anzuwählen. Nach der Rückmeldung durch die Rettungsleitstelle erhält der Anrufer eine SMS auf sein Handy. Durch das Aufrufen der SMS und der Zustimmung zur Ortung wird der Zugriff auf das Handy erlaubt. Die Rettungsleitstelle kann eine Ortung durchführen, eine Videoverbindung aufbauen und weitere Funktionen des Handys des Anrufers aktivieren und nutzen. Die Vorteile sind im Unterschied zu allen anderen Systemen offensichtlich:

  • Kein zusätzliches Gerät (mobiles Notrufsystem) erforderlich
  • Keine Vorinstallation auf dem Handy notwendig
  • Keine Kosten (!)
  • Schnelligkeit (direkter Kontakt zur Rettungsleitstelle)
  • Datenschutz gewährleistet (Fernzugriff nur nach Zustimmung möglich)
  • Helfer vor Ort können durch die Rettungsleitstelle bei Erste-Hilfe-Maßnahmen angeleitet werden

Aus unserer Sicht wäre eine weite Verbreitung von EmergencyEye wünschenswert. Allerdings hängt das davon ab, ob Rettungsleitstellen sich zur Nutzung dieser Software bereit erklären. Wir werden das Thema weiterverfolgen.

In diesem Zusammenhang möchten wir auch noch darüber informieren, dass im Hausnotrufbereich nur sehr selten Rettungsdiensteinsätze erforderlich sind. Seit viel Jahren liegt deren Anteil an allen Notrufen bei nur 0,2 %. Mit über 90 % sind die versehentlichen Auslösungen der bei weitem häufigste Grund für eine Notrufauslösung. Falls Unterstützung erforderlich ist, dann liegt in der Regel ein kleinerer Hilfebedarf vor, wenn z.B. der Kunde auf den Boden gefallen ist und nicht ohne Hilfe selber aufstehen kann. Dann werden Bezugspersonen (Angehörige, Nachbarn) oder der Pflegedienst benachrichtigt.