SCHLAGANFALL

PRÄVENTION UND HILFEN

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Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis im Leben – egal, ob man ihn selbst erleidet oder ob man als Angehöriger betroffen ist. Weltweit ist der Schlaganfall die zweithäufigste Todesursache und die Hauptursache für bleibende körperliche, seelische und geistige Beeinträchtigungen. Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen ist niedergelassener Facharzt für Neurologie und Psychiatrie am Neurozentrum Ravensburg. Seit 1998 ist er Vorsitzender des Fördervereins "gegen den Schlaganfall" e.V. und im November 2020 hat er mit seiner Tochter Corinna von Büdingen die gemeinnützige Gesellschaft "vbms Schlaganfallbegleitung gGmbH" gegründet. Wir haben ihn als Experten gefragt, was passiert, wenn man einen Schlaganfall erleidet und wie man einen Schlaganfall auch als medizinischer Laie erkenn kann.

Was genau ist ein Schlaganfall?

Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen

Der Schlaganfall beginnt akut als Notfall. Bei einem Schlaganfall wird entweder das Gehirn nicht ausreichend mit Blut versorgt (Hirninfarkt) oder es tritt Blut aus (Hirnblutung). In den meisten Fällen lösen Wandveränderungen in den Arterien oder Blutgerinnsel einen Hirninfarkt aus.

Die betroffenen Hirnregionen werden nicht mehr ausreichend mit Energie (Glukose) und Sauerstoff über das Blut in den Arterien versorgt. Dadurch kommt es zu einer Unterbrechung der Blutversorgung in einer umschriebenen Region des Gehirns. Das Gehirn kann nur für wenige Minuten ohne Blutversorgung auskommen, ohne bleibende Schäden zu erleiden. Durch die Mangeldurchblutung kommt es zu Funktionsstörungen, diese machen sich durch unterschiedliche Symptome wie z. B. Sprachstörungen oder Lähmungen, Taubheitsgefühle, herabhängenden Mundwinkel, Sprach/Sprechstörungen, gestörtes Sprachverständnis, Sehstörungen, Schwindel und Kopfschmerzen bemerkbar.

Gibt es typische Vorboten oder Warnsymptome?

Leider treten die meisten Schlaganfälle ohne Vorboten, in jeder Situation und zu jeder Tageszeit auf. Gerade deshalb ist es so wichtig, eventuelle Warnsymptome und Funktionsstörungen zu erkennen und bei ihrem Auftreten auch sofort zu reagieren. Genau diese Funktionsstörungen können mit dem FAST-Test erkannt werden.

Zahlen und Fakten

Jährlich erleiden etwa 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, 70.000 davon zum wiederholten Mal. Ca. 1,6 Millionen Menschen leiden an den Folgen dieser Erkrankung. Nach den Herzerkrankungen und Krebserkrankungen liegt der Schlaganfall auf Platz 3 der Todesursachen. In den ersten 30 Tagen nach einem Schlaganfall versterben 6,8 % der Patienten. Etwa die Hälfte der überlebenden Patienten sind schwerbehindert und dauerhaft auf Pflege und Unterstützung angewiesen. 25 % aller Schlaganfall-Patienten sind jünger als 65 Jahre und befinden sich somit im erwerbstätigen Alter. Das Risiko, innerhalb von 5 Jahren einen erneuten Schlaganfall zu erleiden, liegt bei ca. 20 %. (Quelle: schlaganfallbegleitung.de)

Die häufigsten Risikofaktoren
• Bluthochdruck
• Rauchen
• Übergewicht
• Fettstoffwechselstörung
• Diabetes mellitus
• Vorhofflimmern

Je mehr einzelne Risikofaktoren gleichzeitig vorliegen, desto höher ist das Gesamtrisiko, einen Schlaganfall zu erleiden.

Prävention

80 % der Schlaganfälle und vorzeitigen Herzerkrankungen wären laut der Weltgesundheitsorganisation WHO vermeidbar, wenn keine Risikofaktoren entstehen würden oder wenn diese frühzeitig erkannt würden. Manche Risikofaktoren wie Alter oder eine genetische Vorbelastung lassen sich nicht beeinflussen, andere schon. Diese können durch ein Umdenken in puncto Lebensstil, Bewegung und Ernährung beseitigt oder zumindest erheblich reduziert werden. Wichtig sind dabei regelmäßige Bewegung, der Abbau von Übergewicht und die Behandlung von Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, erhöhtem Cholesterinspiegel, Vorhofflimmern oder Diabetes. Die Vermeidung von Nikotin und Alkohol können ebenfalls das Risiko minimieren, einen Schlaganfall zu erleiden.

Wo finde ich Hilfe?

Selbsthilfegruppen leisten einen wichtigen Beitrag in der Nachsorge von Schlaganfällen und helfen den Patienten, mit anderen Betroffenen ins Gespräch zu kommen und sich im neuen Leben mit dem Schlaganfall zurechtzufinden. Sie können helfen, Ängste und Sorgen zu überwinden und neuen Lebensmut zu fassen.

Eine Liste aller Schlaganfall-Selbsthilfegruppen in Deutschland finden Sie zum Beispiel hier.


Was ist ein "FAST-Test"?

Mit dem FAST-Test lässt sich überprüfen, ob ein Mensch möglicherweise einen Schlaganfall hat. Er ist sehr praktikabel, da er sehr einfach und von jeder Person – auch ohne medizinisches Vorwissen – durchgeführt werden kann. Der Test dauert nur wenige Minuten und ist leicht einzuprägen. Dazu benötigt man weder Instrumente noch sonstige Hilfsmittel – lediglich eine wache Beobachtung.

Wenn anhand des FAST-Tests Funktionsstörungen erkannt werden, muss sofort der Notruf gewählt werden. Der Zeitfaktor spielt die entscheidende Rolle. Je rascher nach Auftreten der ersten Symptome und der Diagnose mit der Behandlung begonnen werden kann, desto besser ist die Chance, einen Schlaganfall ohne bleibende Behinderung zu überleben: "Zeit ist Hirn – jede Minute zählt".

  • F steht für Face (Gesicht)
  • A steht für Arms (Arme)
  • C steht für Speech (Sprache)
  • E steht für Time (Zeit)

Face: Bitten Sie die betreffende Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, kann das auf eine Gesichtslähmung oder eine Halbseitenlähmung hinweisen.

Arms: Bitten Sie die betroffene Person, beide Arme mit den Handflächen nach oben vorzustrecken. Können nicht beide Arme gleichzeitig gehoben werden, sinkt ein Arm schnell wieder ab oder dreht er sich, so besteht der Verdacht auf eine Lähmung.

Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz (z.B. "Der Himmel ist blau") nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.

Time: Bitte zögern Sie nicht! Wählen Sie unverzüglich die Rufnummer 112 und schildern Sie die Symptome! Denken Sie daran: Zeit ist DER entscheidende Faktor für das Ausmaß der Folgeschäden.

 

Der FAST-Test kann übrigens auch mit unterstützender Anleitung durch die Mitarbeiter/innen der Notrufserviceleitstelle von Vitakt durchgeführt werden: Die Vitakt-Mitarbeiter sind darin geschult und können eine Person, die sich beim Kunden vor Ort befindet, bei der Durchführung des Tests bei Bedarf anleiten.

AUCH ALS APP

Mit drei einfachen Fragen zu den häufigsten Schlaganfall-Symptomen können Laien mit Hilfe der App einen Verdacht überprüfen und aus der App heraus direkt den Notruf 112 auslösen. Die App ist dreisprachig deutsch, englisch und türkisch und mit einer Audiofunktion ausgestattet, in der die Fragen vorgelesen werden. Die App ist erhältlich für die Betriebssysteme iOS und auch für Android. Sie kann kostenlos über den Suchbegriff Schlaganfallhilfe in den jeweiligen Stores heruntergeladen werden.