Im Notfall

Was passiert, wenn der Rettungsdienst
die Tür aufbrechen muss?

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Es ist sinnvoll, dass jemand einen Wohnungsschlüssel besitzt, um Ihnen im Notfall zu helfen und/oder den Rettungskräften Zutritt zu verschaffen. Wir empfehlen unseren Kunden, dass die Personen aus der Kontaktliste einen Wohnungsschlüssel bekommen.

Ohne einen Schlüssel zur Wohnungstür / zum Haus kommt es zu einer sogenannten „Notfalltüröffnung“. Darunter fällt das gewaltsame Eindringen in einen verschlossenen Raum aufgrund einer Notfallsituation, gerechtfertigt durch Umstände wie Notlagen oder Brände. 

Marcel Middelhoff, Praxisanleiter für Notfallsanitäter bei „Lernen Leben Retten“, hat in mehr als 12 Jahren unzählige Einsätze im Rettungsdienst absolviert.

Wir haben ihn gefragt, wie ein „klassischer“ Einsatz aussieht und was passiert, wenn eine Wohnungstür aufgebrochen werden muss.

Sind Notfalltüröffnungen eher selten?

Nein, leider erleben wir diese Situationen fast täglich. Die meisten Menschen haben ihren Wohnungsschlüssel nicht zusätzlich außerhalb der Wohnung hinterlegt. So ist es im Notfall immer wieder notwendig, gewaltsam die Tür aufzubrechen.

Wie sieht ein „klassischer Einsatz“ aus?

Sehr häufig werden wir beispielsweise von besorgten Menschen zu einem Einsatz gerufen, weil sie vom älteren Nachbarn  - trotz Klingel und Klopfen an der Tür - schon länger kein Lebenszeichen mehr erhalten haben und sich fragen, ob alles in Ordnung ist.

In einem solchen Fall klingeln wir zunächst an der Wohnungstür. Wenn niemand aufmacht, versuchen wir durch ein offenes Fenster oder durch die Tür einen Sprechkontakt herzustellen. Ist ein solcher Sprechkontakt nicht möglich und erhalten wir auch kein weiteres Lebenszeichen aus der Wohnung, gehen wir davon aus, dass die Person im Inneren verletzt ist oder dass ein anderer Notfall vorliegt. Das veranlasst uns die Tür zu öffnen und die Situation vor Ort zu klären.

Was passiert, wenn kein Wohnungsschlüssel vorhanden ist?

Unsere Vitakt-Kunden vertrauen ihren Schlüssel oft den Personen aus der Kontaktliste an. Alarmieren wir den Rettungsdienst, rufen wir gleichzeitig die Person mit einem Schlüssel an mit der Bitte, den Rettungskräften die Tür zu öffnen.

Sofern kein Schlüssel zugänglich ist und die Person im Haus die Tür nicht öffnen kann, verschaffen wir uns mittels eines geöffnetes Fenster, eine offene Kellertür oder über die Notfalltüröffnung Zutritt.

Muss für eine Notfalltüröffnung immer die Feuerwehr gerufen werden?

Nein, nicht immer.

Wenn Gefahr im Verzug ist, weil die Person im Inneren nicht antwortet und wir von einer schweren Verletzung ausgehen müssen, dürfen wir als Rettungsdienst die Tür „gewaltsam“ öffnen. Hier versuchen wir die Verhältnismäßigkeit der Mittel zu wahren. Wenn die Person im Inneren der Wohnung zum Beispiel noch antworten kann, verständigen wir die Feuerwehr. Oft ist es so, dass der Rettungswagen und die Feuerwehr gleichzeitig eintreffen.

Wie wird dann die Tür geöffnet?

„Die besten Einbrecher sind die Leute von der Feuerwehr!“ ist hier ganz treffend. Wenn kein anderer Zugang zur Wohnung möglich ist, verwenden wir entweder einen Bolzenschneider, wir knacken die Türzylinder oder schlimmstenfalls schlagen wir ein Fenster oder die Terrassentür ein. Solche Einsätze werden aber zunehmend schwieriger, da die Türen und Fenster immer einbruchssicherer werden, sodass es immer länger dauert, bis wir zum eigentlichen Rettungseinsatz kommen.

Wer kommt eigentlich für solche Einsätze auf?

Grundsätzlich gilt: Einsätze zur Menschenrettung, für Tierrettung sowie Brandeinsätze sind für denjenigen, dem geholfen wurde, kostenlos. Die Kosten bleiben in der Regel bei der Kommune. Die Schäden, die an der Wohnungstür oder einem Fenster entstanden sind, können ebenfalls durch Versicherungen reguliert werden.

Nur dann, wenn der Rettungseinsatz ohne ernsthaften Notfall provoziert wurde, müssen die Kosten selbst getragen werden.

Was empfehlen Sie,
um Notfalltüröffnungen zu vermeiden?

Generell ist es immer ratsam, den Wohnungsschlüssel irgendwo zu deponieren, wo ihn die Rettungskräfte im Notfall ganz einfach holen können. Denn eine Notfalltüröffnung bedeutet neben dem Sachschaden, der entsteht, vor allem immer wertvolle Zeit, die für die Rettung der Person verloren geht.

Wir haben zum Beispiel sehr gute Erfahrungen mit Schlüsseltresoren gemacht. Diese können an der Hauswand, dem Gartenzaun, einer Mauer etc. angebracht und mit einem Code gesichert werden, der den Rettungskräften mitgeteilt werden kann.