ES IST NIE ZU SPÄT

MIT 70 JAHREN ZUR UNTERNEHMENSGRÜNDERIN

Lesedauer: 2 - 3 Minuten

„Start Up“ – ein neu gegründetes Unternehmen. Damit verbinden die meisten Menschen wohl junge und dynamische Menschen beim Einstieg ins Arbeitsleben. Aber wie ist es, nach dem regulären Berufsleben noch einmal Neues zu wagen?

Elke Jensen (71): Produktdesignerin, Unternehmensgründerin, Geschäftsführerin und Entwicklerin des CityCaddy

Elke Jensen berichtet von ihrer Idee, der sechsjährigen Entwicklungsphase, ihrer Motivation und ob sich Selbständigkeit im Alter anders anfühlt als in der Mitte des Lebens.

Nicht zu vergessen:

  • Die Rolle, die ihr großes Netzwerk dabei spielt.

"ICH MÖCHTE ES SO RICHTIG GUT HINKRIEGEN."
Das sagt Elke Jensen über ihr Ziel! Sie möchte
mit 70 Jahren noch einmal so richtig
mit ihrem eigenen Unternehmen
(CityCaddy UG) durchstarten.

Ihr Herz schlägt seit ihrer Jugend für Kunst, Design, Interieur und Produktgestaltung. So war sie viele Jahre seit ihrem Studium in Kiel und Würzburg in diesen Bereichen tätig, unter anderem als Freiberuflerin, als Dozentin der AMD Akademie Mode und Design Hamburg, im Vorstand der internationalen Künstlerinnen Stiftung Die Höge und als Gründungsmitglied der Plattform Kulturwerk West e. V. Darüber hinaus führte sie von 1984 bis 2001 eine Galerie für Gegenwartskunst in Hamburg.

Der zweite, berufliche Start

„Man braucht dabei die Verrückten – Menschen, die vom Standard abweichen wollen“, erzählt Elke Jensen. Als Grundvoraussetzungen für einen zweiten beruflichen Start sieht sie Gesundheit, einen starken Umsetzungswillen und Durchhaltevermögen, "denn einige Prozesse dauern einfach länger als gedacht und gewünscht." Und auch die eigene Kondition sei nicht mehr so wie in der Jugend. Eine gewisse liebevolle Nachsicht mit sich selbst sei also förderlich, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Darüber hinaus seien starke Partner an der Seite wichtig, sowohl für einen Austausch rund ums Fachliche als auch für emotionale Unterstützung. Speziell Frauen rät Elke Jensen, zu ihrer Leistung und zum Wert ihrer Arbeit zu stehen und durchaus offen zu äußern, dass sie mit dieser Leistung auch Geld verdienen wollen.

Wie ist der CityCaddy entstanden?

„Im CityCaddy konnte ich Facetten vereinen, die mir am Herzen liegen – Mobilität, Ästhetik und Nachhaltigkeit“, berichtet die gebürtige Kielerin und lacht. „Dabei ist es wohl ungewöhnlich, dass ich eine Firma gegründet habe, die ein Produkt anbietet. Viele Menschen 60 plus, so ergaben meine Recherchen, verwirklichen sich eher im sozialen oder Dienstleistungsbereich.“

Mit zunehmendem Alter beobachtete sie an sich und anderen den Wunsch nach einer Stütze zum Auflehnen, um sich stabiler zu fühlen. Doch nichts Raffiniertes existierte. Die Idee zum CityCaddy war geboren – ein Shopper aus hochwertigen Materialien, ein Trolley in fröhlichen Farben und Gehhilfe in einem.

Es folgten sechs Jahre Produktentwicklung, Testphasen, die Suche nach Investoren und Partnern, zahlreiche Besuche auf Messen und Kontaktaufnahme zu potenziellen Herstellungsfirmen. „Der Weg war lang und zäh“, berichtet Elke Jensen, „da habe ich schon eine gewisse Zurückhaltung aufgrund meines Alters gespürt.“ Aber mit viel Ehrgeiz und Durchhaltewillen und der tatkräftigen, professionellen Unterstützung eines Netzwerks unterschiedlicher Freunde und Wegbegleiter, das sie im Laufe ihres Lebens aufgebaut habe, habe sie es schließlich geschafft.

Ausblick und Ziele

Mit dem Start im April 2021 folgt nun die Etablierungsphase. Langfristig möchte Elke Jensen ihr Unternehmen in schwarze Zahlen führen und in eine GmbH umwandeln. „Mir ist – besonders im Vergleich zu meiner früheren Selbständigkeit – meine Endlichkeit heute schon bewusster. Daher ist auch die Nachfolge bereits geregelt“, resümiert Elke Jensen, „aber die nächsten großen Schritte und einen gewissen Erfolg würde ich wahnsinnig gern noch miterleben.“

„Allen Beteiligten danke ich sehr,
denn ohne diesen Gemeinschaftsgedanken
wäre ich heute nicht dort, wo ich stehe.“