ICH BIN DANN MAL WEG

ERFAHRUNGEN AUF DEM JAKOBSWEG

Lesedauer: 3-4 Minuten

Warum gehen Menschen in Zeiten von extremer Mobilität durch Auto, Bahn und Flugzeug zu Fuß?

Was bewegt sie? Welche Erwartungen haben sie beim Pilgern und was motiviert sie, sich auf eine kilometerlange Reise zu begeben? Der Wunsch, zu sich zu finden. Reduzieren und fokussieren, die Natur erleben, dem Alltag entfliehen und etwas Ruhe zu bekommen!

Unsere Kollegin Britta Holthaus hat im Sommer 2019 innerhalb von 14 Tagen 260 Kilometer auf dem Jakobsweg zurückgelegt: Zunächst mit Respekt vor der Strecke, aber mit großem Antrieb.

 

"Der Gedanke umtrieb mich schon ein wenig länger und ursprünglich wollte ich diesen Weg mit meiner Tante gehen. Dann kamen gesundheitliche Gründe dazwischen und der Gedanke verflog. Im letzten Jahr hatte ich ein persönliches Tief und das Gefühl „ich muss hier raus“ wuchs enorm."

WOLLTEST DU DIESE WANDERUNG ALLEIN MACHEN?

Meine Herausforderung war anfangs, mich allein auf den Weg zu machen. Ich wusste innerlich, dass ich es tun muss und wollte mich einfach mal trauen, etwas allein zu machen. An vielen Stellen las ich, dass auch andere dazu raten.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jeder sein Tempo bestimmt und ich mich anderen Pilgern eine Weile anschließen kann – oder ich laufe allein mit meinen Gedanken und Eindrücken.

Bist du auch an persönliche Grenzen gestoßen?

Körperlich bin ich glücklicherweise nicht an meine Grenzen gekommen, aber dennoch waren einige Nächte nur sehr kurz, die Schlafsäle waren gewöhnungsbedürftig und irgendein Geräusch gab es immer. Es war ein Kommen und Gehen. Ein echtes Problem habe ich mit der Zeit bei der Hygiene bemerkt. Die sanitären Anlagen waren zum Teil nicht so nach unserem Standard und auch die Nutzung einer Waschmaschine gab es nicht oft. So habe ich abends nach der Ankunft an der Herberge immer direkt per Hand gewaschen, um am nächsten Morgen wieder trockene Sachen zu haben.

WAS HAT DICH AUF DEINEM WEG BEEINDRUCKT?

Die hilfsbereiten Menschen und die Gastfreundschaft, die wunderschöne Natur, die man zu Fuß am besten wahrnehmen und genießen kann.

Am meisten hat mich aber der Einlauf nach Santiago de Compostela beeindruckt. Ich muss gestehen, ich hatte Tränen in den Augen. Die riesengroße Freude, so viele glückliche Pilger zu sehen - diese Emotionen und Gefühle haben mich übermannt. Es war einfach nur wunderschön!

Ich empfehle es jedem, sich auf so einen Weg zu begeben – nicht zu viel nachdenken, sondern einfach losgehen! Ich habe ein wenig mehr zu mir gefunden, habe diese Energie mitgenommen und befinde mich auch jetzt noch in einer Phase der Veränderung. Man wird auf dem Weg nicht die Erleuchtung haben, aber man bekommt Denkanstöße – man lernt bestimmt auch, etwas genauer hinzuschauen, denn:

DER WEG GIBT DIR DAS, WAS DU BRAUCHST.