helfen und Hilfen annehmen

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Die Pflege ist sehr persönlich und einschneidend – so auch für Sabine P.*, die ihre Oma drei Jahre lang gepflegt und begleitet hat. Sie berichtet von ihren Erfahrungen.

War die Pflege eine bewusste Entscheidung?

Ja, es war für uns alle eine Selbstverständlichkeit. Meine Oma hat sich jahrelang um meine Schwester und mich gekümmert, wenn unsere Eltern ihrer Arbeit nachgingen, hat uns unser Lieblingsessen gekocht und im Haushalt unterstützt. Seit meiner Kindheit wohnen wir in einem Haus – meine Eltern mit uns Kindern unten und meine Oma oben. Als meine Oma immer mehr Unterstützung brauchte und sich nach einem Sturz zu Hause sehr unsicher fühlte, teilten wir uns die Aufgaben und ich bin wieder zu Hause eingezogen. Das war auch der Moment, der meine Oma zu einem Vitakt-Hausnotrufsystem bewegt hat.

Gab es Erwartungen und Herausforderungen?

Meine Mutter hatte es sicherlich schwerer als ich – sie musste verschiedene Rollen ausführen: als Mutter, Tochter, Berufstätige, Pflegende und nicht zu vergessen als Ehefrau. Jede Rolle stellt ihre eigenen Erwartungen und der Spagat fiel meiner Mutter nicht immer leicht. Ich musste mein Leben ebenfalls neu sortieren und schlüpfte mit Ende 20 in die Rolle der Pflegenden.

Ja, es gab viele Herausforderungen. Meine Oma bekam zwar Pflegegeld, aber wir fühlten uns mit der Situation oft ziemlich allein gelassen. Ich wünsche mir, dass das Dickicht des Pflegedschungels gelichtet wird, denn die pflegenden Angehörigen suchen stundenlang nach Informationen und das macht die Situation nicht einfacher. Viele wissen nicht, was ihnen gesetzlich zusteht und wer sie beraten kann.

GAB ES TROTZ HERAUSFORDERUNGEN AUCH POSITIVES?

Die Pflege ist sehr persönlich und einschneidend, aber in dieser Zeit standen wir uns so nah wie noch nie.

Ging es meiner Oma gut, habe ich mich gerne lange mit ihr unterhalten. Jetzt hatten wir die Zeit für solche Gespräche, es gab keine Termine mehr für uns und jeder Moment war wertvoll. Nach dem Mittagsschlaf gab es immer eine gemeinsame Tasse Kaffee und einen Zwieback mit Butter. Solche Kleinigkeiten wurden im Laufe der Zeit immer wichtiger. Ich fand einfach die Tatsache, dass meine Oma ganz selbstverständlich und ohne Frage weiterhin bei und mit uns lebte, toll!

Welchen Rat haben Sie für Betroffene?

  • Achtsam Sein! Achten Sie nicht nur auf den Pflegenden, sondern ganz besonders auf sich. Zwar sind die Aktivitäten oft körperlicher Natur, aber auch emotional belastend, wenn man mitbekommt, wie es einem geliebten Menschen von Zeit zu Zeit immer schlechter geht.
  • Sie müssen nicht alles allein machen. Bauen Sie sich ein gutes Netzwerk aus Helfern auf, sodass Sie sich eine Auszeit nehmen können. Auch der Austausch mit anderen Pflegenden kann hier guttun.

Wie können Angehörige auf sich achten?

  • Machen Sie einen Pflegekurs, bei dem auch wichtige Handgriffe und Hebetechniken beigebracht werden.
  • Man muss lernen, Dinge abzugeben und zu delegieren.
  • Eine Pflegeberatung zeigt auf, welche Hilfen es gibt und welche finanzielle Unterstützung möglich ist.
  • Zudem ist es wichtig, Kraft zu tanken, um sich dann wieder um den Pflegebedürftigen zu kümmern.